Ishigaki: Sehenswürdigkeiten von Menschenhand (Teil II) ☆ Ishigaki: Manmade Sights (part II)

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Dies ist der zweite Teil über Ishigakis Sehenswürdigkeiten von Menschenhand. Ihr habt den ersten Beitrag noch gar nicht gelesen? Dann bitte einfach hier klicken.

(Den Anfang zur Beitragsreihe über die japanische Tropeninsel Ishigaki findet ihr hier.)

Yonekoyaki Craft Center für Shīsā-Figuren

Yonekoyaki Craft Center, 米子焼工房, Shisa-Werkstatt, clay figure, Tonfigur, shisa, シーサー, Ishigaki, 石垣島, tropical island, Okinawa, 沖縄県, JapanIm Post über das Ishigaki Yaima Village habe ich bereits Ishigakis Shīsā-Figuren erwähnt, die Zwischenwesen aus Löwe und Hund, die das Böse vertreiben sollen. Man findet sie überall auf den Ryūkyū-Inseln: an Eingängen zu Häusern oder Geschäften (paarweise zu beiden Seiten) oder auf den typischen Ziegeldächern. Sicherlich sind sie mit den chinesischen Wächterlöwen verwandt, die man auch in Deutschland am Eingang von chinesischen Restaurants sehen kann.

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ein traditionelles Shīsā-Pärchen ☆ a traditional pair of shīsā

Shīsā haben auf Ishigaki eine lange Tradition und so sind sie in unterschiedlichen Varianten zu finden. Das Yonekoyaki Craft Center in der Nähe des Yonehara-Strandes (und auch der Yaeyama-Palmen-Kolonie) hat dabei einen ganz eigenen Stil kreiert. Yonekoyaki Craft Center, 米子焼工房, Shisa-Werkstatt, clay figure, Tonfigur, shisa, シーサー, Ishigaki, 石垣島, tropical island, Okinawa, 沖縄県, JapanDie Tonfiguren in moderner Comic-Optik und kräftig bunten Farben werden auf der ganzen Insel verkauft und sogar exportiert. Für Tacchan und mich war klar: Zwei Pärchen werden uns auf dem Rückflug von Ishigaki begleiten. 🙂 Und die wollten wir natürlich nicht irgendwo, sondern direkt beim Yonekoyaki Craft Center erwerben. Kein schlechter Plan, denn nicht nur der Verkaufsraum des Centers bietet einiges zum Bestaunen. Bereits draußen tummeln sich auf beiden Straßenseiten große Shīsā-Figuren, die zum Fotografieren einladen. Nicht alle der ulkigen Kreaturen erinnern dabei noch an die eigentlichen Shīsā-Wesen. Vielmehr scheint es eine ganze Familie von ungewöhnlichen Monsterchen zu sein. Hinter dem Haus ist sogar ein großer Garten mit aufgestellten Figuren, den wir leider nicht mehr besichtigen konnten, da wir schlecht im Zeitplan waren. 😦

Im Craft Center selbst gab es neben den Shīsā-Figuren auch Türschilder und Handyanhänger aus Ton sowie wenige Geschirrartikel und Postkarten mit Shīsā-Motiven.
Wen es nach Ishigaki zieht, der sollte sich unbedingt ein Shīsā-Souvenir mit nach Hause nehmen – ob nun die moderne Interpretation des Yonekoyaki Craft Centers oder die traditionelle Variante – oder eben beides so wie ich, hihi. ^^’

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unsere Shīsā-Figuren: links Tacchans, rechts meine ☆ our shīsā figures: on the left Tacchans ones, on the right mine

 

Tōjin Baka (Tōjin-Grab) und das US-Soldaten-Ehrendenkmal

Tojin Baka, Toujin-Grab, Tojin Grave, 唐人墓, monument, Denkmal, Chinese style, Ishigaki, 石垣島, tropical island, Okinawa, 沖縄県, JapanDie letzte Sehenswürdigkeit von Menschenhand, die ich hier vorstellen möchte, Tōjin Baka, ist eigentlich keine Sehenswürdigkeit, sondern ein Denkmal. Der Name Tōjin Baka (Tōjin Grab) ist eigentlich irreführend, denn es handelt sich nicht um ein Grab, sondern um ein eine Gedenkstätte. Das Monument erinnert an ein Ereignis, welches sich im Jahr 1852 zugetragen hat. Leider lassen sich nirgendwo einheitliche Informationen darüber finden, sodass ich nur die groben Zusammenhänge schildern kann. Es handelt sich um ein Schiffsunglück, welches sich entweder vor Ishigaki oder Tojin Baka, Toujin-Grab, Tojin Grave, 唐人墓, monument, Denkmal, Chinese style, Ishigaki, 石垣島, tropical island, Okinawa, 沖縄県, Japanvor Miyako (ebenfalls eine Insel der Okinawapräfektur, jedoch nördlicher als Ishigaki und näher der Okinawa-Hauptinsel) ereignet hat. Das Schiff kam aus China, war vermutlich unter amerikanischer Führung und hatte etwa 400 chinesische Vertrags-arbeiter an Bord, die dort wie Sklaven behandelt wurden. Nähe der Insel Ishigaki oder auch Miyako kam es dann zu einer der ersten Rebellionen dieser sogenannten „Coolies“ (chinesischer Hilfsarbeiter) in der Geschichte, infolgedessen unzählige erschossen wurden sowie Selbstmord begingen. Die übrigen retteten sich an Land, wo sie von den Inselbewohnern aufgenommen und versorgt wurden; viele flüchteten jedoch auch angsterfüllt in die Hügel der Umgebung. Später kamen amerikanische und britische Schiffe zurück, um sich an den Coolies zu rächen bzw. diese wieder zu unterwerfen und nach China zurückzuholen. Abermals gab es viele Tote, viele wurden auch zurückgebracht. Auf den Ryūkyū-Inseln sollen je nach Quellenangabe 60 bis 128 Chinesen gestorben sein. In Erinnerung an diese Menschen wurde 1971 von der Stadtverwaltung Ishigaki Tōjin Baka errichtet. Das Denkmal wurde im chinesischen Stil gestaltet – Drachen, Figuren und Blumen zieren ein opulentes Ziegeldach in bunten Farben, das immer noch brandneu aussieht. Auf der Vorder- und Rückseite befinden sich Gedenktafeln.



Ein paar Meter neben dem Tōjin Baka befindet sich eine weitere Gedenkstätte, das US-Soldaten-Ehrendenkmal. Dieses ist drei amerikanischen Soldaten gewidmet, die 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, auf Ishigaki zu Tode kamen. Nach dem Abschuss Ihres Flugzeuges über dem Meer vor Ishigaki, wurden die drei Insassen Warren H. Loyd (24), Robert Tuggle Jr. (20) und der Pilot Vernon L. Tebo (28), die auf Erkundungstour waren und Luftaufnahmen eines japanischen Marinestützpunktes machen sollten, von japanischen Soldaten aufgegriffen, verhört und gefoltert. Tebo und Tuggle wurden geköpft, Loyd durch Schläge und Bajonettenstiche von verschiedenen japanischen Soldaten und Matrosen öffentlich getötet, nachdem er durch den Ort geschleift und von einer wütenden Meute Inselbewohner gepeinigt wurde, die nun endlich einen Schuldigen für die schrecklichen Konsequenzen der Luftangriffe gefunden hatten.
Nach dem Krieg wurden 41 japanische Soldaten und Matrosen des Kriegsverbrechens für schuldig befunden; sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt.
Takeo Shinohara, Professor einer örtlichen Universität erreichte zusammen mit der kollektiven Beteiligung der Bevölkerung Ishigakis die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Geschichte und so wurde 2001 das Denkmal in der Nähe der Tōjin-Genkstätte errichtet. Die schlichte Konstruktion symbolisiert die Seelen der drei US-Soldaten, die in den Himmel fahren.US-Soldaten-Ehrendenkmal, US soldiers monument, monument, Denkmal, World War II memorial site, Gedenkstätte des Zweiten Weltkrieges, Ishigaki, 石垣島, tropical island, Okinawa, 沖縄県, Japan, 日本

Tōjin Baka und das US-Soldaten-Ehrendenkmal, die im Hinblick auf die Inselbevölkerung kaum widersprüchlicher sein könnten, sind doch beide ein Symbol des Friedens zwischen den Völkern, des Mitgefühls und der Wiedergutmachung, die man bei einem Ishigaki-Aufenthalt gesehen haben sollte.

Quellen für Tōjin Baka und das US-Soldaten-Ehrendenkmal:
http://www.takaoclub.com/bowne/
http://www.stripes.com/news/islanders-to-honor-three-world-war-ii-aviators-1.31938
https://fareastfling.me/2014/07/11/beauty-honor-entombed-ishigakis-toujin-grave-site/
http://wiki.samurai-archives.com/index.php?title=Robert_Browne_Incident
http://www.shipleybay.com/archives/Memorials/Ishigaki/Stars_and_Stripes…

Noch mehr Insel-Feeling? Im nächsten Post unternehmen wir einen Tagesausflug von Ishigaki zur nahe gelegenen Insel Taketomi.


 

Ishigaki: Manmade Sights (part II)

This is the second part of Ishigaki’s manmade sights. You haven’t read the first one yet? Then simply click here please.

(The start of the entry series about the Japanese tropical island Ishigaki you can find here.)

Yonekoyaki Craft Center for shīsā figures

In the post about the Ishigaki Yaima Village I already mentioned Ishigaki’s shīsā figures, the intermediate beings between lion and dog, that should ward off evil. You can find them everywhere on the Ryūkyū islands: at entrances to houses or shops (paired to both sides) or on the typical tile roofs. Surely they are cousin to the Chinese guardian lions, that you can also see at the entrance of Chinese restaurants in Germany. Shīsā have a long tradition on Ishigaki and so you can find them in different versions.
The Yonekoyaki Craft Center near the Yonehara Beach (and also near the Yaeyama palm colony) has created its own style for it. The clay figures in its modern comic look and gaudy colours are sold all over the island and are even exported. For Tacchan and me it was clear: Two pairs of them would join us on the way back from Ishigaki. 🙂 And we didn’t want to buy them anywhere but directly at the Yonekoyaki Craft Center. No indifferent plan since not only the center’s showroom offers all manner of interesting things to marvel at. Even outside you can find shīsā figures to both sides of the road, ready to be photographed. Not all of the peculiar creatures are still reminiscent of the original shīsā characters. Instead it seems to be a whole family of odd little monsters. Behind the building there is even a spacious garden with posed figures, that we couldn’t visit unortunately due to lack of time. 😦

The craft center itself offered besides shīsā figures also door plates and mobile phone straps made of clay as well as a few crockery pieces and postcards with shīsā scenes.
Who is drawn to Ishigaki, should definitely take home a shīsā souvenir – wether the modern interpretation of the Yonekoyaki Craft Center or a traditional version – or well, both as I did, hihi. ^^’

Tōjin Baka (Tōjin Tomb) and the US soldiers monument

The last manmade sight, that I would like to introduce here, Tōjin Baka, is actually no sight but a memorial. The name Tōjin Baka (Tojin Tomb) is actually misleading since the place is no tomb but a memorial site. The monument reminds of an incidence that happened in the year 1852. Unfortunately there is no compliant information about it so that I can only depict the gross coherences. It is about a ship accident which took place either offshore Ishigaki Island or offshore Miyako Island (this is also an island of the Okinawa prefecture, but farther north than Ishigaki and nearer to the Okinawa main island). The ship came from China, probably under American flag, and had a crew of 400 Chinese contract labourers on board, who were treated like slaves. Near Ishigaki or well, Miyako it came to one of the first rebellions of the so-called “coolies” (Chinese unskilled labourers) in history. As a result of this a vast number of them were shot or committed suicide. The remainder escaped ashore where they were welcomed and accommodated by the islanders, though many fearfully flew into the hills of the area. Some time later American and British ships came back to take revenge of the coolies or respectively to subdue them again and bring them back to China. Again many people died and many were taken back. Depending on the source 60 to 128 Chinese might have died on the Ryūkyū islands. In memory to these people the Ishigaki City Council established Tōjin Baka in 1971. The memorial is arranged in Chinese style – dragons, figurines and flowers decorate an opulent tile roof in bright colours, that still looks brand-new. On the front and back side there are memorial plaques.

Some meters next to the Tōjin Baka there is another memorial site, the US soldiers monument. This one is devoted to three American soldiers, who found their death on Ishigaki in 1945, shortly before the end of World War II. After the downing of their plane over the sea near Ishigaki, the three occupants Warren H. Loyd (24), Robert Tuggle Jr. (20) and the pilot Vernon L. Tebo (28), who had been on a reconnaissance mission to take aerial photographs of a Japanese naval base, were captured, interrogated and tortured by Japanese soldiers. Tebo and Tuggle were beheaded, Loyd was publicly killed through strokes and bayonet stabbings of different Japanese soldiers and sailors after have been paraded through the city center and anguished by an angry mob of islanders, who had been desperate to find an offender for the terrible consequences caused by airstrikes.
After the war 41 Japanese soldiers and sailors were adjudged guilty of war crime, seven of them were sentenced to death.
Takeo Shinohara, professor of a local university succeeded in accounting with the dark chapter of history together with the collective help of Ishigaki’s people and so the memorial was established near Tōjin Baka in 2001. The plain structure symbolizes the souls of the three US soldiers rising to heaven.

Tōjin Baka and the US soldiers monument which couldn’t be more contradictory according to the islanders, are however both symbols of freedom between the people, of compassion and redemption, that you should visit when going to Ishigaki.

Sources for Tōjin Baka and the US soldiers monument:
http://www.takaoclub.com/bowne/
http://www.stripes.com/news/islanders-to-honor-three-world-war-ii-aviators-1.31938
https://fareastfling.me/2014/07/11/beauty-honor-entombed-ishigakis-toujin-grave-site/
http://wiki.samurai-archives.com/index.php?title=Robert_Browne_Incident
http://www.shipleybay.com/archives/Memorials/Ishigaki/Stars_and_Stripes…

More island feeling? In the next post we undertake a day trip from Ishigaki to the nearby island Taketomi.

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3 thoughts on “Ishigaki: Sehenswürdigkeiten von Menschenhand (Teil II) ☆ Ishigaki: Manmade Sights (part II)

  1. Pingback: Ishigaki: Sehenswürdigkeiten von Menschenhand (Teil I) ☆ Ishigaki: Manmade Sights (part I) | Currywurst & Kimono

  2. Pingback: Ishigaki Yaima Village (Museumsdorf, Affen und Mangroven) ☆ Ishigaki Yaima Village (open air museum, monkeys and mangroves) | Currywurst & Kimono

  3. Pingback: Ishigaki Tagesausflug: Taketomi und sein Sternensand ☆ Ishigaki day trip: Taketomi and its star sand | Currywurst & Kimono

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