Miyavi – Konzert in Berlin am 10.05.2017 ☆ Miyavi – Concert in Berlin on 10th May 2017

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Obwohl es schon eine gefühlte Ewigkeit her ist, will ich es mir nicht nehmen lassen davon zu berichten:
Am 10.05.2017 durfte Berlin wieder einmal Miyavi zu einem Auftritt begrüßen. Im Rahmen seiner „Firebird Welttour 2017“ gab der J-Rock-Musiker 26 Konzerte in 11 Ländern, darunter vier in deutschen Städten. Nach dem Start in Korea, Hong Kong und Taiwan im Februar, folgten Auftritte in den USA und Kanada im April sowie von April bis Mai in Europa. Das Finale der Tournee fand am 10.05.2017 in der Huxleys Neuen Welt in Berlin-Neukölln statt.

Der am 14.09.1981 in Osaka geborene Musiker ist vor allem durch sein herausragendes Gitarrenspiel bekannt. Miyavis große Liebe galt eigentlich dem Fußball, bis er sich mit 15 Jahren eine Verletzung zuzog, mit der er einige Zeit lang keinen Fußball mehr spielen konnte. Er kaufte sich eine Gitarre und begann zu üben. Zwei Jahre später wurde er das jüngste Mitglied der Indie-Band Due’le quartz, die mit ihrem Look aus aufwendigen Lack- und Lederkostümen und den langen bunt und hochgestylten Haaren sowie androgynem Make-up klar dem Genre Visual Kei zuzuordnen sind. Dort verwendete der gebürtige Takamasa Ishihara das erste Mal sein Pseudonym „Miyabi“, welches „Eleganz“ bedeutet.
Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese musicAls sich die Band im Jahr 2002 (vermutlich aus privaten Gründen des Sängers und Bandleaders) auflöste, versuchte sich Miyabi unter seinem geänderten Namen „Miyavi“ als Solokünstler. Mit einem poppigeren Look und musikalisch holprigen ersten Songs (bei Due’le quartz hatte Miyavi bereits die meisten Songs komponiert), fand er schnell eine neue Fangemeinde, die stetig größer wurde, und erweiterte seine Brandbreite.
So experimentiert er bis heute ausgesprochen viel mit verschiedenen Musikstilen wie Pop, Rock, Hip Hop, Rap und Jazz und ist Kollaborationen mit Künstlern aus aller Welt gegenüber sehr aufgeschlossen.

Das Konzert am 10.05.2017 begann – für den Auftritt eines japanischen Künstlers in Deutschland völlig überraschend – mit einer Vorband. Die Band mit Namen „Capitano“ – optisch unauffällig bis auf die flächig grün geschminkten Gesichtshälften der Mitglieder und das gewollt androgyne Outfit des Sängers gepaart mit wiederum grotesker Männlichkeit – bot rockige Musik mit einer Prise Opernatmosphäre. Vielleicht an Queen, Kiss und David Bowie orientiert, mit Plastik-Flamingos auf der Bühne, den Mikrofonständer mit gefärbten Straußenfedern geschmückt, heizten die vier Musiker der Menge kräftig ein und bereiteten sie auf den Haupt-Act vor. Zwar optisch wohl eher keine Augenweide für die jungen Fans kam die Band durch ihre Musik mit dem gewissen Etwas doch ziemlich gut beim Publikum an. Bereits in Hamburg hatte Capitano Miyavi als Vorband zur Seite gestanden. Derzeit arbeitet das Quartett an seinem ersten Album.Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Deutschland, Rock, concert, Huxleys Neue Welt, Vorband Capitano, opening act Capitano    Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, Rock, concert, Huxleys Neue Welt, Vorband Capitano, opening act Capitano

Einige Songs später war es dann soweit. Capitano verabschiedeten sich und die Bühne wurde umgebaut. Es folgte der erste Auftritt Miyavis – wild Gitarre zupfend und schlagend – in langem schwarzen Gewand (das er bald gegen sein übliches Unterhemd eintauschte). Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese musicDie Lieder seines jüngsten Albums und Namensgebers der Tour „Firebird“ könnte man am ehesten als Dance Music bezeichnen. Kräftige Beats, schnelle Rhythmen und der poppige, eher elektronische Sound warfen zumindest bei mir die Frage auf, ob das Album denn überhaupt lifemusiktauglich sein könnte. Miyavi, wie immer an Gitarre und Mikrofon, diesmal unterstützt durch den Schlagzeuger Bobo und DJ Jonny, die auch beide am Album Firebird mitgewirkt haben, verkündete gleich am Anfang des Konzerts, dass er sich vor allem auf sein Element des Gitarrespielens konzentrieren würde.Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, Huxleys Neue Welt, drummer Bobo, DJ Jonny

Leider hätte die Musikauswahl, die sowohl Songs des „Firebird“-Albums, aber auch des Vorgängers „The Others“ und einigen älteren Liedern bestand, meiner Meinung nach besser sein können – was natürlich Geschmackssache ist. Auch wurden viele der bekannten Songs anders gespielt oder in einem Mix vorgetragen. Statt eines erwarteten großen Finales der Tournee kam es mir eher wie die letzte Pflichterfüllung eines ermüdeten Künstlers vor, der bereits alle Songs etliche Male gespielt hat und sich jetzt auf seine Rückkehr nach Hause freut, wenn er diesen Abend auch noch geschafft hat. ^^°
Dennoch war die Stimmung in der Halle gut, Miyavi gab sich Mühe, sorgte für gute Laune, sprang auf der Bühne herum und lieferte eine gute Show.

Zwiespältig war für mich Miyavis Benehmen gegenüber seinen Fans. Wie zahlreiche Kollegen der Branche ist Miyavi unter anderem für seine Interaktivität mit dem Publikum und Fannähe bekannt. Davon war beim Final-Konzert teilweise nicht sehr viel zu spüren. Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese musicEin paar weibliche Fans in den ersten Reihen machten eine Weile auf ein Mädchen aufmerksam, das an diesem Tag Geburtstag hatte. Als sich der Umstand schließlich nicht mehr ignorieren ließ, brachte Miyavi ihr lediglich ein geradezu spöttisches „Happy Birthday“ entgegen – von Freundlichkeit oder Smalltalk keine Spur! Später warfen einige Fans in einem ruhigen Moment ein mit Unterschriften versehenes weißes T-Shirt als Geschenk auf die Bühne. Auch dieses wurde konsequent ignoriert, obwohl es direkt auf dem Mikrofonständer landete, bis es bei einem der nachfolgenden Songs zu Boden fiel. Sicherlich können unliebsame Geschenke, Albernheiten oder Vernarrtheit von Fans anstrengend sein. Das lässt sich wohl für jeden nachvollziehen. Dennoch finde ich es für einen Künstler wichtig, gerade auf diese Kleinigkeiten angemessen zu reagieren. Immerhin sind es die Fans, die einem Künstler Berühmtheit, Anerkennung und Einkommen bescheren oder sollen derartige Allüren dem Publikum zeigen, wie weit es der Künstler bereits geschafft hat? Für mich ist es in puncto Sympathie ein No-Go!

Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese musicAndererseits muss auch gesagt werden, dass Miyavi sich im Gegensatz zu einigen anderen Musikern traute, viel Englisch zu sprechen. So erzählte er dem Publikum von einer seiner beiden Töchter, Lovely Miyavi, die eigentlich laut Aussage der Ärzte ein Junge hätte werden sollen. Durch diesen Umstand, der öfter einmal erwähnt wurde, begann Lovely Leuten zu erzählen, dass sie eigentlich ein Junge sei, was anfangs für Belustigung sorgte. Erst als sie sich die Haare zu einem Kurzhaarschnitt abschnitt, begannen Miyavi und Mutter Melody (ebenfalls Sängerin) zu verstehen, dass Lovely es ernst meinte und sich scheinbar wirklich wie ein Junge fühlt. Ob das eine vorübergehende kindliche Phase oder erste Anzeichen einer Transgender-Persönlichkeit sind, bleibt abzuwarten – Miyavi und Melody werden ihre Tochter (oder ihren Sohn) immer lieben und als das akzeptieren, was sie (oder er) ist.
Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese musicOb es die Ähnlichkeit in der Entwicklung der Kinder ist, die Miyavi und Angelina Jolie, in deren Film Miyavi 2014 mitspielte, so sehr zueinander gebracht hat, wie überall betont wird? Das Publikum reagierte jedenfalls mit großer Begeisterung angesichts dieser emotionalen und sehr persönlichen Geschichte aus Miyavis Privatleben. Die enge Verbindung zu seiner Frau Melody und den Töchtern Lovely Miyavi („Luv“) und Jewelie Aoi („Jewels“) kommt bei den Fans gut an. So herrschte auch angespannte Stille, als Miyavi zu einem von Melody gesungenen Lied vom Band auf der Bühne Gitarre spielte.
Natürlich durften auch die obligatorischen Deutsch-Sätze nicht fehlen, die jeder japanische Künstler bei einem Konzert in Deutschland loswerden muss. Engagement kommt schließlich immer gut an!

Nach dem Berliner Finale wieder in seinem neuen Zuhause in Los Angeles, tourt Miyavi seit ein paar Tagen schon wieder in Japan, um dort sein 15-jähriges Jubiläum als Solokünstler zu promoten.

Das Konzert am 10.05. war eine gelungene Show und stellte ein ganz anständiges Gesamterlebnis dar. Wollen wir dem müden Miyavi die schlechten Manieren gegenüber seinen Fans noch einmal verzeihen? 😉Miyavi, 雅-MIYAVI-, Firebird World Tour 2017, Berlin, ベルリーン, ドイツ, Germany, J-Rock, concert, コンサート, J−ロック, Japanese music


Miyavi – Concert in Berlin on 10th May 2017

Although it seems to be ages ago, I insist of telling you about it:
On 10th May 2017 Berlin could welcome again Miyavi for a gig. Within his “Firebird World Tour” the J-Rock musician gave 26 concerts in 11 countries, including four in German towns. Starting in Korea, Hong Kong and Taiwan in February, gigs in the USA and Kanada were following in April and from April to May in Europe. The tour’s final show took place on 10th May 2017 at Huxleys Neue Welt (“Huxleys New World”) in Berlin-Neukölln.

The musician, born on 14th September 1981 in Osaka, is especially famous because of his outstanding guitar skills. Miyavi’s great love was dedicated to soccer until he came by an injury at age 15 so that he couldn’t play soccer anymore for a time. He bought a guitar and started to practise. Two years later he became the youngest member of the indie band Due’le quartz, which can be clearly catogorized into the genre visual kei due to their look of elaborate lacquer and leather costumes and the long colourful and styled-up hair as well as androgynous make-up. It was the time when Takamasa Ishihara by birth started to use his pseudonym “Miyabi” which means “elegance”.
When the band separated in 2002 (presumably because of private reasons of the singer and band leader), Miyabi tried his career as a solo artist under the changed name “Miyavi”. With a more trendy look and musically clumsy first songs (for Due’le quartz Miyavi had already composed the most songs), he quickly established a new fan community which grew immediately and expanded his bandwidth.
So he is experimenting frequently with different styles of music such as pop, rock, hip hop, rap and jazz and is also very approachable to collaborations with artists around the world.

The concert on 10th May 2017 started – as for the performance of a Japanese artist in Germany completely surprising – with an opening act. The band named “Capitano” – visually unflashy besides the members’ extensive green painted face halves and the willfully androgynous looking outfit of the singer paired with however grotesque masculinity – offered rocking music with sprinkling of opera atmosphere. Maybe orientated by Queen, Kiss and David Bowie, with plastic flamingos on stage, the microphone stand decorated with dyed ostrich feathers, the four musicians fired up the crowd and prepared people for the main act. Though visually no eye candy for the young fans, the band went down well with the audience due to the music with the certain something. Already in Hamburg Capitano had lent Miyavi their support as the opening act. Currently the quartet is working on their first album.

Several songs later, the time had come. Capitano bid goodbye and the stage was converted. Miyavi appeared on stage – wildly plucking and slapping his guitar – dressed in a long black robe (he changed it to his usual undershirt immediately). The songs of his latest album and name giver of the tour “Firebird” could be described most likely as dance music. Powerful beats, fast rhythms and the pop-like rather electronical sound raised the question (at least for me) of whether the album would be suitable for live music anyway. Miyavi, as always on the guitar and microphone, this time supported by drummer Bobo and DJ Jonny, who both also assisted for the album Firebird, declared right at the beginning of the concert, that he would concentrate on his key element, the guitar playing.

Unfortunately the music selection, which included songs of the Firebird album as well as of the previous one “The Others” and some older songs, could have been better in my opinion – but this is of course a question of taste. Furthermore many of the well-known songs were played different or in a mix. Instead of the awaited big finale of the tour it was rather a performance of duty (to me) of a tired artist who had already played all of his songs several times before and is now looking forward to his return back home, when he can finish the show on this final evening. ^^°
Nevertheless the atmosphere in the hall was good, Miyavi made an effort, caused good mood, jumped around on stage and arranged a great show.

Ambivalent for me was Miyavi’s behaviour towards his fans. Like numerous colleagues in the music business Miyavi is i.a. famous for his interactivity with the audience and closeness to his fans. You couldn’t guess this in some situations on the final concert. Some female fans in the first rows were calling attention to a girl who celebrated her birthday on this day. When the circumstance could not be ignored any longer, Miyavi only gave her a sharp, almost ironical “Happy Birthday”, kindness or small talk – no sign of it! Later some of the fans threw a white T-shirt with signatures onto the stage in a quiet moment. Also this was consistently ignored, though landing directly on the microphone stand, until it fell down during one of the following songs. Certainly unpleasant presents, inanities and infatuation of fans can be stressful. This should be understandable for everybody. Nevertheless I think, it is essential for an artist to react in an appropriate way to particular these trifles. After all it is the fan community that grants fame, appreciation and revenue to the artist or shall those airs and graces make the audience realize the level of fame that the artist already achieved? For me it is definitely a no-go in terms of sympathy!

Otherwise it should be also told, that Miyavi dared to speak much English in opposite to some other musicians. So he told the audience about one of his two daughters, Lovely Miyavi, who was said to become a boy by the doctors before birth. Due to this circumstance which was mentioned several times later, Lovely started to tell people, that she would be a boy actually, which caused amusement at first. Only when she cut her hair to short-hair style, Miyavi and the mother Melody (also a singer) began to realize, that Lovely seemed to be serious about it and really feels like a boy. If this is just a temporary phase in her development or the first indication of a transgender personality remains to be seen – Miyavi and Melody will always love her daughter (or son) and accept the person she (or he) is.
If it is the similarity in the children’s development, which brought Miyavi and Angelina Jolie, in whose movie Miyavi acted in 2014, as close as it is pointed out everywhere? Anyhow the audience reacted enthusiastically considering this emotional and very personal story of Miyavi’s private life. The close affiliation to his wife Melody and the daughters Lovely Miyavi (“Luv”) and Jewelie Aoi (“Jewels”) goes down well with the fans. So there was a tense silence when Miyavi played the guitar to a recorded song, sung by Melody.
Of course the obligatory German sentences that every Japanese musican supposedly has to recite when giving a concert in Germany, couldn’t be missing. Dedication always goes down well!

Back home in his new living place Los Angeles after the final show in Berlin, Miyavi is already touring again in Japan to promote his 15th anniversary as a solo artist since some days.

The concert on 10th May was a well-made perfomance and a proper total experience. So should we forgive the tired Miyavi the bad manners towards the fans – what do you think? 😉

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